 | Reisebericht 15.12.07
- 21.12.07
Nachtrag: Seit San Salvador sind wir auf der legendaeren
Panamericana.
15.12.07 San Vicente-Nacaome (Honduras)
Am morgen Polizeiescorte (c.a 1h, 2
Motorradpolizisten, 6
Geschaefter abgeklappert) um El Salvador-Aufkleber zu kaufen. Nichts
Schoenes aber erfolgreich. Fahrt langweilig, erwaehnenswert:
Maiskoerner trocknen auf dem Pannenstreifen neben russenden Lastern und
kriminellem!!!!! Verkehr (werden in Beuteln direkt ab "Produzent"
verkauft, aber wir haben grad kein Kleingeld ;-(. Verkauf von
allerlei mehr oder weniger lebendigem (Riesenechsen, Huehner, Truthahn)
an der Strasse.
Wir sind spaet am Zoll zu Honduras und die "Schlepper" welche sich wie
Fliegen an uns heften, machen daraus ein gutes Geschaeft Grenzuebertritt
nach Honduras kann nach Literatur vier bis sechs Stunden dauern. Unser
Schlepper bietet 45 Min fuer 5$ an. Nach 2h sind wir durch und ueber
die Gesamtkosten (die regulaer 105$ gewesen waeren) schweigen wir uns
lieber aus. Nacaome finster (Strassenbeleuchtung gibt es
nicht nur ab und an einen brennenden Abfallhaufen) und verdreckt, wir
fuehlen uns nicht sehr willkommen, bezahlen beim Nachtessen mehr als
die Einheimischen am Nebentisch (plus sFr 0.50 fuer 2 Nachtessen...aber
immerhin) und fangen das erste mal den Kosenamen "Gringos" ein.
16.12.07 Nacaome-Masaya (Nicaragua)
An einer Polizeikontrolle treffen wir Jonas einen
62
jaehrigen Anwalt (Volvo) aus Guatemala City auf seiner 1968er 600er
BMW. Er ist unterwegs nach Argentinien und hat es arg eilig, denn am
15.Januar muss er wieder in Guatemala sein. Er war letztes Jahr schon
auf der gleichen Strecke unterwegs und ist in Panama-City stecken
geblieben. (Zur Info:zwischen Panama und Kolumbien liegt der
Darien-Gap, ein Gebiet aus Suempfen durch welches keine Strasse sondern
nur Drogen-Schmugglerpfade fuehren. Die offizielle Information warum es
hier keine Strasse gebe ist, dass diese zu unstabil waere und der
Unterhalt eine Menge Geld verschlingen wuerde. Laut Literatur und
Information Einheimischer ist es so, dass seit 1992 ein Plan und ein
Vertrag zwischen Panama und Kolumbien zum Bau der Strasse bestehen.
Allerdings blockieren die USA den Bau, und geben als einen Grund an, es
gehe darum, die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche zu
verhindern....Eigentlich aber geht es um das Migrationsproblem
Suedamerika-Zentralamerika-Nordamerika und vorallem um den
Drogenschmuggel). Von Panama aus ist es nur moeglich via
Flugzeug oder Schiff relativ sicher nach Kolumbien zu kommen,diese sind
allerdings ueber die Feiertage meist ausgebucht.
Doch zurueck nach Honduras: Die Polizeikontrollen
hier sind zwar zahlreich, aber durchaus herzlich und angenehm: Es ist
schon fast absurd, wenn ein bis an die Zaehne bewaffneter Polizist sich
mit Vornamen und Handschuetteln vorstellt, um einen danach ueber den
Preis fuer die Crosstiefel, das Motorrad, die Schweiz, die Route und
was weiss ich noch alles zu befragen. Zum Abschied ein Schulterklopfen
unter Freunden, kein Pass, Fuehrerschein....das war's bis zum naechsten
Mal. Nach c.a 200km langweiliger Strasse ist Honduras History. An
der Grenze zu Nicaragua erweist sich Jonas als grosse Hilfe, denn er
weiss genau wie mit den Beamten, und den Schleppern umzugehen ist. Wir
bezahlen je 2$ fuer den Schlepper und 1$ "Trinkgeld" fuer den
Grenzbeamten, Diskussionen ueber groessere Betraege laesst Jonas gar
nicht aufkommen. Die Penetranz der Versicherungsbeamtin, welche fuer
uns bereits das Formular zum Kauf einer Versicherung fuer Nicaragua
ausgefuellt hat, laesst ihn kalt. Er erklaert Ihr dass wir bereits eine
Versicherung haetten (was auch stimmt),und auf Ihr "heulen" hin, sie
koenne die diese nicht Rueckgaengig machen, kriegt sie zu hoeren, dies
solle Ihr eine Lehre fuer ein naechstes Mal sein.
Jonas weiss dass die Bullen in Managua besonders korrupt sind, und
Touristen am Tag am eingeschalteten Licht erkennen. Wir
fahren ohne Licht, und kommen prima durch die Stadt. Jonas faehrt
ziemlich agressiv und zt. "gefaehrlich", sei's weil er Guatemalteke ist
oder weil wirklich von der Idee besessen ist so schnell wie moeglich
ueber Panama hinaus zu kommen.
Beim Tanken treffen wir Silvio, eine Nicaraguaner welcher 8
Jahre in der welschen Schweiz gearbeitet hat. Er freut sich wie ein
kleines Kind und fuehrt uns zu einem "guten" guenstigen Hotel. Vor dem
Essen basteln wir am ueberlaufenden Vergaser von Jonas rum. Dieser ist
natuerlich schon verbastelt, aber mit einigen Tricks kriegen wir ihn
mehr schlecht als recht hin. Er ist mit dem Resultat mehr als
zufrieden, immerhin springt seine Kiste wieder gut an.
Nicaragua scheint eines der aermsten Laender zu sein
17.12.07 Masaya-Puntarenas (Costa
Rica)
Aufstehen 6.00 :-( Abfahrt 7.15 Vor der Grenze zu
Costa Rica
c.a 4-6km Lastwagenstau, wir ziehen auf der Gegenspur vorbei. Junger
"Schlepper" (c.a. 10 jaehrig erledigt unsere Papiere zur Ausreise
aeusserst kompetent, gibt uns "streng" und hektisch Anweisungen was wir
zu tun haben, wieselt zwischen Warteschlangen hin und her, und draengt
sich gnadenlos nach vorne. Seine "Arbeit" ist die 6$ fuer alle 3
durchaus wert.
Einreise Costa Rica: Keine Schlepper, 1.Stempel schnell, 2.
Stempel c.a 1h (einen Grund gibt es nicht),3. Stempel c.a 2h Ein
Beamter, mit Einfingersystem fuer 4-6 km Lastwagen und Touristen
(20Minuten kreisen....und....Taste treffen pro Person). Lastwagenfahrer
in der Schlange vor uns warten bereits seit 4 Tagen. Nach 2h werden
Touristen nach vorne gerufen. Jonas drueckt sich rein (Pfui pfui),
danach noch c.a 1h (3x 20Min) und wir haben's geschafft.
Beim naechsten Halt treffen wir boesen Buben (Bandidos MC, die mit dem
Hells Angels Krieg, der Panzerfaust und so...) und seine Frau. Er
wohnt in San Jose und gibt uns Tips zu Costa Rica und Panama.
Abends Puntarenas ein Surfer- und Drecksnest (am Meer mit
leerer Tourimeile. Crack-Junkies an jeder Ecke. Hotel von aussen
passabel, innen erwartet uns uebelstes, Slum-artig zusammengezimmerter
Bretterverschlag mit Wellblechdach. Uebernachten zugeknoepft
bis zum Hals im "Ganzkoerperkondom" auf Campingmatte. Auf der Strasse,
und wie wir am naechsten Morgen merken auch im Hotel froehliches
Anschaffen bzw. ....
Jonas findet's o.k. "estilo Hostal"wobei seine Hoehle ein wenig besser
ist.
Er beschliesst am naechsten Morgen nach Panama vorauszufahren um fuer
alle drei ein Ueberfahrt zu organisieren.
Weitere Infos von Martin
18.12. Puntarenas San Isidro
Jonas ist so frueh los, dass wir uns nicht einmal mehr
verabschieden konnten. Naja. Schoen in gewohnter Zweisamkeit und
gewohntem Tempo in der Lastwagenkolonne in Richtung San Jose zu fahren.
Dort als Attraktion zweimal mitten durch die Innenstadt,
immer nach
der Suche nach diesem verflixten Harley Laden. Einmal gefunden gibt es
nicht einmal fuer alle Trophaeen! Wieder voellig
durchgeschwitzt
geht es weiter. Wunderbare Strasse mit kaum Verkehr. Ganz leichte aber
konstante Steigung. Auch die Temperatur laesst darauf schliessen, dass
wir wieder mehr und mehr an Hoehe gewinnen. Ein Blick aufs GPS laesst
uns staunen 3343 m. Die naechste Erkaeltung laesst gruessen. Mit
Tunnelblick und eiskalten Haenden gehts eine gewundene Strasse durch
den Nebel- und Regenwald (bei uns nennt man das einfach Urwald!).
Schlafensstopp in San Isidro mit Mitbewohnern (einer hat geknackt den
anderen haben wir freigelassen). Die Essenssuche gestaltet
sich
immer schwieriger und wir beginnen uns ueber die Gesundheit der
Einwohner Sorgen zu machen. Ausser Fast Food gibt es hier gar nichts.
Dann doch lieber den Pannenstreifengetrockneten Mais aus El Salvador?
19.12. San Isidro Las Lajas
Wiedermal ein gemuetlicher Morgen und es wir 11.30h bis wir
losfahren. Eine
der schoensten bisher gefahrene Strecken (Martins Meinung) eine kurvige
Strasse, einem Tal entlang, durch Ananas- und Palmen Plantagen und, wie
schoen, die Temperaturen steigen wieder ins unertraegliche. Die
Zollformalitaeten fuer Panama sind 'schnell' erledigt. Einzig dieser
Zoellner in diesem schummrigen Fensterlosen Buero (Loch oder
Abstellkammer wuerden wir sagen, aber andere Leander, andere Sitten),
machte uns kurz Sorgen als er doch nach einem cafecito fragte oder
besser nach dem dafuer benoetigten Geld. Dumm gestellt, das half auch
in diesem Fall. Haben zwar noch einen boesen Blick geerntet aber weiter
gings. Nachdem wir uns nun ueber 4000km auf z.T. holprigen
Strassen gequaelt haben liegt sie vor uns. Ein 4 spuriger,
schnurgerader Highway von zumindest optische hervorragendem Zustand.
Wir mussten fuer einen Moment die Treanen zurueckhalten. Wir brettern
los und es wird uns nur noch 'Caballeros de hierro' nachgerufen...
Wir finden Abseits der Strasse am Strand ein Paradies. Der einzige
Makel, es war vor uns schon mal einer da und hat seine Spuren
hinterlassen. Uebernachten in einer kleinen Huette (nicht die unserer
ersten Wahl, die mit den Spuren eben, im WC, Matraze etc.) direkt am
palmengesaeumten Strand. Ein
Traum. So schoen, dass Martin es vorzieht draussen unter dem
Sternenhimmel zu duschen. Das Meeresrauschen und die grillenden Grillen
im Ohr schlummern wir gluecklich ein.
20.12. Las Lajas Panama
City
Wiedermal ein gemuetlicher Morgen und nach einem doppelten
Fruehstueck im Restaurant unserer ersten Wahl geht es wieder ab auf den
Highway. Es sind immer wieder Trinkstopps (bei 38 Grad und
95%
Luftfeuchtigkeit) noetig und dabei entstehen jeweils sofort nette
Kontakte zu den Einwohnern. Zumindest beschraenken sie sich hier nicht
mehr nur darum, wieviel das Motorrad Wert hat, wieviel Gaenge,
Hoechstgeschwindigkeit und der ganze technische Kram. Auch ein
tropischer Platzregen (wir fahren zum ersten mal in voller Regenmontur
und sind uns nicht sicher, ob das Wasser von ausser- oder innenerhalb
der Regenhuelle kommt) kann uns nicht stoppen beim Eindunkeln in Panama
City einzufallen. Eine Uebernachtungsmoeglichkeit ist sofort
gefunden, nur das mit dem Essen gestaltet sich wieder schwierig.
Tja, der erste Teil unserer Reise ist mit 5000km auf dem Tacho fast
beendet. Es war schoen durch Mittelamerika zu fahren. Die
Zollformalitaeten wurden mit der Zeit immer laestiger, vielleicht auch
durch die gewisse Routine, die wir entwickelt haben. Sehr Eindruecklich
auch, dass es den Wilden Westen doch auch noch heute gibt. Wir
schliessen dies aus den bis zu den Zaehnen bewaffneten Waechtern vor
Banken und Geschaeften (auch kleinste Kioske haben einen mit Pumpgun
bestueckten Aufpasser) und selbst mit Pistolenhalftern 'bewaffneten'
Privatpersonen sind keine Seltenheit. Fehlende Dolendeckel, autogrosse
Krater in den Strassen und unmarkierte Baustellen werden uns nie mehr
abschrecken koennen.
Alles in Allem, ein unvergesslicher Teil in unserem noch jungen Leben.
21.12 Panama City Frueh auf,
wir muessen einen Transfer nach
Kolumbien organisieren. Unser Freund Jonas, der mittlerweile bereits in
Kolumbien ist hat uns Infos per Email hinterlassen. Wir geben noch
unser Know How dazu und beginnen herumzutelefonieren. Sehr schnell ist
ein Transport fuer die Motorraeder nach Medellin oder Cali organisiert.
Wir muessen die Motorraeder bis 15.00h am Flughafen haben.
Kein
Problem, wir haben 9.30. Nur noch schnell auf die PTJ (Panamaische MFK
oder so) um die Papiere fuer die Motorraeder fertigzustellen und dann
ab an den Flughafen. Dachten wir. Nach 2 Stunden haben wir dank einer
erneuten Polizeieskorte endlich die PTJ gefunden. Der Stempel dort
brauchte auch fast 4 Stunden bis er gestempelt wurde. Der Weg zum
Flughafen ist ein einziges Verkehrschaos... Um 18.00h sind wir dort um
zu erfahren, dass wir diesen Stempel nicht gebraucht haetten und, dass
es fuer uns persoenlich keine Fluege nach Kolumbien gibt. Wir harren
noch bis um 21.30 aus und versuchen noch diverse Moeglichkeiten zu
pruefen, lassen uns auf Wartelisten setzen und bemerken, dass der
Motorradtransport bei jedem Nachfragen teurer wird. All dies ohne ein
Fruehstueck, Mittagessen oder Abendessen. Auch das Znueni oder das
ZVieri haben wir ausgelassen. Der ganze Elan von heute morgen ist
komplett weggeblasen. Die letzten verbliebenen Kraefte werden dafuer
benoetigt den Weg in ein Hostal zu finden und uns um Mitternacht dem
Panamaischen Fast Food zu widmen.
Aktuell vom 18.12.2007
Allgemeiner Bericht zur ernsten Lage: Polizeikontrollen haben auch ihre
guten Seiten. An
einer ebensolchen haben wir in Honduras Jonas,
einen Anwalt aus
Guatemala City kennen gelernt. Seither sind wir zu dritt unterwegs, und
wundern uns immer wieder, wie der aeltere Herr uns auf seiner 600er BMW
Jg. 1968 auch auf schlechten Strassen stehen laesst. Er ist
uns
eine grosse Hilfe, denn er weiss, wie der Papierkram an den zur Zeit
fast taeglichen Zollkontrollen zu erledigen ist, bzw. wie mit den
"Schleppern" umzugehen ist, welche einen fuer ein Paar Dollares, oder
eben auch fuer ein Paar mehr...(diese Geschichte vielleicht spaeter
einmal) "per Express" ueber die Grenze bringen. (z.B. in nur drei
Stunden anstatt in sechs, um den Massstab grob zu definieren). z.B.Cost
Rica: 1 Beamter mit Einfingersystem fuer vier km Lastwagenkolonne und
ein paar Touristen (pro Tourist c.a. 20 min. um die Personalien
aufzunehmen, fuer Lastwagen noch laenger). Zum Glueck sind
wir nicht mit dem Laswagen unterwegs, denn die armen Kerle haben vier
Tage gewartet, wir nur drei Stunden.
Jonas zeichnet duestere Bilder, was unsere Passage von Panama
nach
Ecuador bzw. nach Kolumbien angeht. Er war schon letztes Jahr auf
dieser Route Richtung Argentinien unterwegs, musste in Panama nach vier
Tagen vergeblicher Suche nach einer Ueberfahrt allerdings aufgeben.
Immerhin hat er in Panama schon Freunde und Kontakte und weiss
vielleicht? wie die Sache anzugehen ist. Vamos a ver...
Gruss aus Costa Rica
| Christoph unfd Martin on Tour
Wir freuen uns auf weitere Berichte
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