 | Reisebericht 20.01.08
- 26.01.08 von Peru nach Bolivien
20.01.08 Abancay-Ollantayambo Amerikanischer
Arzt im Hotel (lebt mit seiner Familie seit 7 Jahren hier) hoert sich
die Schilderungen unserer gesundheitlichen Beschwerden an, und tippt
auf bakterielle Infektion , Amoeben- oder Giardiabefall. Medis
gibt’s fuer nen Appel und en Ei um die Ecke, fuer Gringos natuerlich
ohne Rezept. Wir werfen ein aber bei mir hat das Rumpeln kein Ende.
Selbst ein kleines Schlaefchen waehrend der Pause (siehe Bild) hilft da nix. Slalom
den Berg hinauf von 2400 auf 4500muM mit schoenem Blick auf Abancay.
Bei der Wegbesprechung im naechsten Ort: Volksauflauf (siehe Bild). Vier Mopeds scheinen noch aussergewoehnlicher zu sein als nur deren zwei.
Wir fahren nach Einbruch der Dunkelheit in Ollantayambo ein, dem
letzten noch mit Privatfahrzeug erreichbaren Ort vor Machu Picchu.
Schoenes kleines Dorf mit Kopfsteinpflaster und kleinen Gassen,
gesaeumt von Inca-Ruinen. Wir treffen Kalle, einen Deutschen
KTM-Piloten, welcher hier vor vier Jahren seine Freundin Gladis
kennengelernt hat, und daran ist, mit ihr ein Haus hier zu bauen.
21.01.08 Ollantayambo
Wir stehen frueh auf und fuehlen uns wohl genug, nach Machu Picchu zu fahren. Wir
sind um 08.30 am Bahnhof, um 08.50 sollte der Zug Kategorie
"Backpacker" (guenstigster fuer 34US$ one way) fahren. Von sechs
Schaltern ist einer offen. Der Angestellte am Schalter benoetigt c.a. 5
Minuten pro Fahrgast, um die Bilette auszudrucken, bei sechs Nasen vor
uns also eine halbe Stunde...Wir verpassen den Zug. Als wir
endlich an der Reihe sind offenbart uns der Herr, dass wir fuer diesen
Tag hoechstens eine Hin-, nicht aber eine Rueckfahrt buchen koennten,
wir sind also gezwungen den Machu Picchu Besuch um einen Tag zu
verschieben. Das dicke Ende ist aber, dass auch fuer den naechsten
Tag angeblich keine Rueckfahrt im Backpacker Zug mehr zu haben ist, und
wir sehen uns genoetigt den teureren Zug fuer 69US$ zu buchen: Hin- und
Rueckfahrt zusammen 103US$ fuer knapp zwei Stunden Fahrt pro Weg, in
einem gammligen Wagen, Geschwindigkeit c.a. 40-50 km/h. Wucher!!!!! Im
teureren Zug ist der Wagen noch schlechter, unfreiwilliger Beinkontakt
mit dem Nachbarn inklusive. (Luxuszug Cusco-Agua Caliente: US$ 500.-)
Der Rest des Tages ist: Schlaf, abgesehen natuerlich von einem
Fruehstueck mit Koka-Tee und einem herrlichen "fuenf Sterne" Nachtessen
(Tomaten Alpaca-Mozzarella Salat, Alpaca-Fleisch an
Pfeffersauce...)(Alpaca=Lama-Art), Pancake mit Fruechten gefuellt,
welches in Peru wohl seinesgleichen sucht....und zum Nach-Nachtisch
teilen wir uns noch eine klitzekleine Pizza nach Art des Hauses, denn
gesunder Schlaf bereitet bekanntlich Hunger...
Vor dem Nachtessen noch viele Tips und Routenplanung mit Kalle
(vielen Dank!!), der mit seiner KTM schon etliche Male in Suedamerika
unterwegs war. Er empfiehlt uns, nicht durch die Atacama-Wueste in
Chile zu fahren, sondern von Bolivien aus die "Routa 40" durch
Argentinien zu nehmen.
22.01.08 Ollantayambo-Machu Picchu
Abschied von Philipp und Dominik (waren schon am Vortag in M.P.)
Wir gondeln im Schleichtempo Richtung Agua Caliente (dem Ort am Fusse
von M.P.. Das ganze Tal ist vernebelt und es nieselt. Eintrittskarten
fuer M.P. gibt's nur im Visitor Center, Beschilderung katastrophal, wir
fragen uns durch. Bus bis M.P. US$ 12 hin und zurueck, es lohnt sich
denn der Fussmarsch wuerde wohl c.a 1.5h pro Weg (bei extremer
Steigung) dauern . Wir
buchen eine Fuehrerin welche uns durch die Anlage fuehrt. M.P. ist
ziemlich vernebelt und es nieselt, am Nachmittag wird das Wetter aber
besser und als wir gegen Abend Abschied nehmen muessen scheint sogar
die Sonne. (Siehe Fotogalerie Peru mit Bildern von M.P.) Mehr ueber Machu Picchu: Google im Netz!
Fazit fuer uns: M.P. ist sehr eindruecklich, und ein Besuch lohnt
sich trotz der enormen Gesamtkosten allemal. Schon alleine Ewigkeiten
still dazustehen, und die Stimmung mit den an den steilen Abhaengen
vorbeiziehenden Wolkenfetzen zu geniessen, ist es Wert hier gewesen zu
sein.
Abends verpassen wir um ein Haar den Zug nach Ollantayambo, da
dieser aus unerklaerlichen Gruenden zehn Minuten zu frueh fahert... Der
Zug besteht aus einem durchgehenden Wagen mit Antrieb und ist
fuerchterlich eng gestuhlt. Das Zugspersonal verteilt die teuersten
Sandwiches (2 Minimini) meines Lebens und fuehrt danach eine extrem
peinliche Folklore- und eine Modeschau zur Belustigung der Touristen
durch....
By the way Peru Rail scheint nicht etwa dem Staat Peru zu
gehoeren, sondern ist eine englische Privatbahn!!! So bleibt die mit
diesem Wucher eingetriebene Kohle noch nicht einmal im Land, sondern
geht an die ueblen Brueder im Koenigreich.
Doch ein gutes Mahl laesst auch diesen Aerger fuer einen Moment
verfliegen, auf dem Speiseplan: Avocado-Salat, Alpaca-Medaillons an
Rotwein Thymian Sauce, und zum Nachtisch ein flambiertes Banaenchen...
23.01.08 Ollantayambo-Puno
Wir waeren von Kalle und Gladis an eine Taufe in den Bergen
eingeladen, aber die Strasse ruft, wir sind unserem Zeitplan ein wenig
hinterher... Der Weg fuehrt uns nach Cusco, dem Ausgangspunkt fuer
die meisten M.P.-Reisenden. Nix schoenes, unserer Ansicht nach nicht zu
empfehlen. Futterhalt, dannn weiter Richtung Puno. Wunderschoene Fahrt
auf einer Hochebene c.a 4200muM es ist kalt und am Strassenrand liegt
Schnee. Wir kaempfen uns im Regen nach Puno durch, wo wir erst bei
Dunkelheit ankommen. Wir leisten uns ein teures Hotel (50US$) was sich
lohnt. Die Mopeds parken wir in der Hotelhalle (siehe Bild), was auch bei Passanten zu einigem Staunen fuehrt (siehe Bild).
24.01.08 Puno-La Paz (Bolivien)
Fruehstuecksbuffet. Entlang dem Titicaca-See im Sonnenschein Richtung Bolivien. Grenze in kleinem Nest (siehe Bild).
Wir sind die einzigen Motorfahrzeuge welche die Grenze passieren. Der
restliche Verkehr besteht aus dreiraederigen Fahrraedern auf welchen
allerlei Seltsames ueber die Grenze geschippert wird. Vom Lastwagen
aufs Fahrrad...ueber die Grenze...vom Fahrrad auf den Lastwagen. Grenzer
mit Elektroschockpistolen schnappen sich ausgewaehlte dieser Vehikel,
und halten sie mit Gewalt auf. Was da genau geht schnallen wir nicht. Junger
Tramidor erledigt fuer c.a. 3sFr all unseren Papierkram, nur ein
unfreundlicher Herr an einem zusaetzlichen Kontrollposten nach der
Grenze fordert Trinkgeld fuer seinen Stempel. Wir geben ihm c.a. 30
Rappen, er ist zufrieden. Allerliebste bolivianische Kinderlein bewerfen uns mit Steinen und schiessen mit Steinschleudern auf uns Gringos...
Kurz vor La Paz ist die Hauptstrasse geschlossen, die Umleitung
fuehrt durch knoecheltiefen Schlamm, nix beschildert, Abfall Dreck und
ganze Hundebanden (nicht nur einzelne wie seit Ecuador fast taeglich)
welche nach uns schnappend hinter und neben den Mopeds her rennen, und
nur mit Fusskicks (ein Lob auf die Motorradstiefel) auf Abstand zu
halten sind.
Horror!
Wir kommen bei Dunkelheit nach el Alto, einer Art eigener Stadt
hoch ueber La Paz. Verkehrschaos aus Minibussen hupen draengeln. An
Ampeln abstehn in knoecheltiefen Dreckpfuetzen. Wir meinen wir seien
Nahe des Zentrums von La Paz und nehmen ein Hotel. Der abendliche
Ausgang als Gringo ist hier sehr unangenehm, und wir finden nix was wir
als halbwegs o.k. zum Essen taxieren wuerden. Zudem versuchen
Taschendiebe an Martin's Brieftasche zu kommen und jemand bespritzt ihn
mit einer schleimigen Fluessigkeit. Essen schliesslich im Hotel
(welches viel zu teuer ist: Gringopreis) Fazit: fuerchterlich.
25.01.08 La Paz-Challapata
In der "safen" Hotelgarage (einem Baustellenloch) sitzen morgens um
09.00 vier sturzbetrunkene Penner um unsere Mopeds, an welchen alle
Knoepfe verstellt sind. Sie labern uns an, lassen den gewohnten
Amigoscheiss vom Stapel, mit Haendeschuetteln und allem Terz, bevor sie
uns offenbaren dass wir Gringos ihnen gefaelligst Trinkgeld zu geben
haetten, weil das in Bolivien so sei... unschoen.
Wir fahren hinunter nach La Paz, um im Namen von Herrn Wehner
(Arbeitskollege) ein Couvert mit harter Waehrung in einer Travel-Agency
abzuliefern. Zu unserem eigenen Erstaunen finden wir die angegebene
Adresse auf Anhieb. Leider ist der Laden geschlossen und trotz der
Beteuerungen der Nachbarn, es komme gleich jemand..., bleibt er es
auch. Nach ueber einer Stunde des Wartens und etlicher Beteuerungen
ziehen wir unverrichteter Dinge ab, und sind uns mehr als einig, keine
Minute laenger als noetig in La Paz zu bleiben. Wir fahren
Richtung Oruro, dort am Hexenmarkt vorbei, an welchem allerlei
getrocknete Foeten, Jungtiere u.a. seltsamer Kram verkauft wird, und
weiter in Richtung Salar dem bekannten Salzsee. Die Landschaft wird immer schoener (Lago de Poopo und Lago Uru Uru), bei Challapta saeumen Schneeberge die Ebene (siehe Bild).
Leider ist Regenzeit und halb Challapata ist abgesoffen. Mitten im
Ort steht eine Flussueberquerung an. Das Preis/Leistungs-Verhaeltniss
des Hotels ist o.k. auch nur darum weil es pro Person 2 sFr kostet.
Mein Vorderreifen, welcher seit Otavallo unregelmaessig abgelaufen war
(wahrscheinlich wegen einer unrund laufenden Vorderradbremsscheibe oder
des zunehmend losen Lenkkopflagers) hat beinahe kein Profil mehr.
Schlechte Laune.
26.01.08 Challapata-Huari-Challapata-Ptosi
Martin plaudert (mit Haenden und Fuessen siehe Bild)
mit dem Dorfpolizisten. Er erkundigt sich bezueglich der Piste nach
Uyuni, welche stellenweise ueberschwemmt sein kann und waehrend der
Regenzeit nur schwer passierbar ist. Der Gesetzeshueter
interessiert sich allerdings mehr fuer unsere Mopeds und will eines
kaufen. Auf den Einwand hin, dass wir dann Steuern zu bezahlen haetten
und Aerger mit dem Staat kriegen wuerden lacht er nur und meint: Wer
bezahlt denn hier Steuern, und wer hat denn hier schon einen
Fuehrerschein?...Na prima!!!
Wie gewohnt erzaehlt jeder ein wenig anderes bezueglich der
Passierbarkeit der Strasse. Wir entschliessen uns die Passage zu wagen,
kommen aber nur bis Huari (eigene Brauerei). Kleine Seen
unterbrechen die Strasse immer wieder. Martin faehrt ins truebe Wasser
und bleibt mit dem Vorderrad in einem c.a 1.5m tiefen Loch stecken. Er
steht knietief im Wasser das Moped stuerzt um, ein Koffer wird
davongeschleudert. Gemeinsam und mit Hilfe eines "Mauerbauenden"
Bolivianers ziehen wir das Motorrad aus dem Loch. Erst jetzt
merken wir dass unser Helfer den Schlamm fuer seine Mauer von der
Strasse wegbuddelt. Als Nebenprodukt ist eben dieses Loch entstanden,
in welches Martin gefahren ist (siehe Bild),
der Urheber aber gibt sich ahnungslos, raet uns allerdings davon ab,
die Passage an dieser Stelle erneut zu versuchen (und er weiss wohl von
was er spricht...). Wir versuchen an verschiedenen Orten
durchzukommen, ein Fluss (Bruecke erst im Bau) versperrt allerdings
immer wieder den Weg. Zwei Bolivianer welche
diesen eben erst mit ihrem 4x4 Jeep durchquert haben sprechen von
huefttiefem Wasser und bewegen uns zur Umkehr. In
Huari treffen wir ein deutsches Radfahrerpaar. Sie benoetigten fuer die
etwas mehr als 100km von Uyuni bis Huari 4 Tage, und erzaehlen von
Flussquerungen mit brusttiefem Wasser, Hagelsturm mit 40 cm Hagel am
Boden und anderen Unwettern. Wir entscheiden uns definitiv umzukehren und den Salar auszulassen.
A luego Christoph
und Martin
| Christoph unfd Martin on Tour
Wir freuen uns auf weitere Berichte
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