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Reisebericht 07.01.08 - 09/10.01.08 Amazonas

Bericht aus dem Amazonasgebiet.

07.01.08 Puyo
07.15 Luis kommt im Hotel vorbei, um unseren Urwaldtrip noch einmal zu bestaetigen.
Waehrend wir fruehstuecken versucht er einen Flug mit einer moeglichst kleinen Maschine zu buchen. Erfolglos. Am Samstag und Sonntag haben wegen Nebel und Regen gar keine Fluege satttgefunden, und die Warteliste scheint lang zu sein. Auch um 15.00 sieht die Sache nicht besser aus, und wir entschliessen uns, noch einen Tag des Wartens zu opfern, in der Hoffnung auf einen Flug am naechsten Tag. Luis ist zuversichtlich und kauft am Abend den Proviant fuer die vier Tage ein.

08.01.08 Puyo-Amazonas
07.00 Sonnenschein. Umpacken, nur das Noetigste kommt mit, den Rest und die Mopeds lagern wir im Hotel.
Luis holt uns im Auto ab. Er hat einen Indio mitgebracht, eine Art Mittelsmann zum Stamm den wir im Amazonas besuchen wollen.
Wir fahren nach Shell, einem Kaff in der Naehe von Puyo, welches vor allem aus kleinen Pisten, Wellblechhuetten, und Hangaren (mal mit, mal ohne Dach...) besteht.
Vor den Huetten aller Fluggesellschaften warten viele Leute mit ihrem Gepaeck (welches z.t. immer mal wieder mit den Fluegeln schlaegt...).
Alle Versuche einen Flug zu kriegen (selbst der, zwei Nonnen davon zu ueberzeugen an einem anderen Tag zu ihren Schuelern in den Wald zu fliegen) schlagen fehl. Touristen haben hier begreiflicherweise keine Prioritaet.
Es besteht noch Hoffnung fuer den Nachmittag, wir setzen 14.00 als Deadline.
Unterdessen zeigt uns Luis seine 7 jaehrige, 30 kg schwere Boa und versucht seine zwei frei um sein Haus lebenden Aras anzulocken. Ohne Erfolg. 14.00 Keine Chance fuer heute. Wir packen erneut um und machen die Motorraeder fertig fuer die Fahrt in den Wald.
Luis knattert mit seiner 100ccm Buechse in blauer 2-Takt Rauchwolke voraus. Von den 50km Weg bis ans Ziel sind c.a 25km mal mehr, mal weniger geteert. Dann zweigen wir ab auf einen sandigen Nebenweg, der immer steiniger wird. Schlussendlich sind wir immer mal wieder auf Feldern aus Steinen bis zu Handballgroesse unterwegs, und das bei beachtlichen Steigungen bzw. Gefaellen (Von 1000müM bis auf 50müM).
Eine eher anstrengende "Arbeit" bei ueber 30C und enormer Luftfeuchtigkeit. Mitten im Nirvana verabschiedet sich dann noch mein Moped, springt aber zum Glueck nach einiger Spielerei mit den Benzinschlaeuchen (wahrscheinlich Dreck im Vergaser) wieder an. Zwischendrin bietet sich immer mal wieder ein weiter Ausblick ueber den ewigen Urwald, der sich bis zum Horizont zieht. Auch ist der Weg mit allerlei schoen Pflanzen, und Orchideen gesaeumt.
Wir passieren Canelas, eine kleine Indiosiedlung, welche bis vor vier Jahren nur mit dem Flugzeug erreichbar war, bevor wir in einem noch kleineren Dorf ankommen.
Luis haelt vor der Huette unserer Gastfamilie, und noch bevor wir absteigen koennen, sind wir von der halben Dorfbevoelkerung (Maenner und Kinder) umringt. Eine halbe Stunde Red- und Antwort-Spiel, Luis verteilt einen Riesensack Broetchen an die Kinder und Zigaretten an die Maenner, und macht verschiedene Besuche, wahrscheinlich um unsere Anwesenheit absegnen zu lassen.
Das Haus unserer Gastgeber besteht aus einer Kueche, und einer Veranda im Parterre und einem mit Tuechern unterteilten Schlafraum im oberen Stock. Zur Gastfamilie gehoeren 5 Kinder, welche sofort und voller Stolz, ein kleines Aeffchen mit einer Schnur um den Bauch hervorzerren, um es mir in die Hand druecken. Es zappelt arg und ich gebe es an Martin weiter.
Glueck gehabt, denn vor lauter Schreck laesst das putzige kleine Wesen aus seinen "unteren Oeffnungen" synchron allerlei unter sich, verfehlt uns nur knapp und laesst es auf die Veranda fahren, welche uebrigens nachher unser Schlafplatz sein wird.
S(sch)ei s'drum, die naechste Koeslichkeit wartet, denn wir statten der Nachbarsfamilie einen Besuch ab. Gemaess Tadition befuellt die Hausfrau eine nach altem Brauch bemalte und gebrannte Tonschale mit Chicha, einem Gebraeu das auch "Cerveza des Urwaldes" genannt wird. Eine uns unbekannte Frucht wird in einer Holzwanne (in welcher in unbeobachteten Momenten auch mal der Hund des Hauses schlaeft, wie wir bei einem Besuch in einer anderen Huette sehen...) zermantscht, und in einem Plastikfass vergoren. Kommt Besuch wird ein wenig der Masse in eine Schuessel gegeben, mit Wasser versetzt und mit der Hand geknetet und ausgedrueckt.
Das ganze schmeckt wie Wasser mit einem Klumpen Backhefe, also eigentlich halbwegs passabel. Es darf auf keinen Fall abgelehnt werden, um den Gastgeber nicht zu beleidigen.
Die Freude ueber die Tatsache, dass Luis die halbe Schuessel leer trinkt, ist von kurzer Dauer. Sofort fuellt sie die liebe Gastgeberin wieder auf, um sie mir randvoll zu ueberreichen.
Ich quaele mich bis in die Haelfte, gebe sie an Martin weiter, und der freut sich, dass die aufmerksame Frau sie ihm wieder randvoll macht.
Nachtessen: Kartoffelsuppe, Tee, Popcorn und die Fruechte aus welchen Chicha gemacht wird. Haendewaschen "is nuesch", weder beim Koch noch bei den Gaesten...(kein fliessend Wasser)
Schlafen : auf der vom Aeffchen (u.a.) tapezierten Veranda, zwischen deren Planken immer mal wieder dicke Kakerlaken hervoraeugen.
Das Moskitonetz um das Campingmaetteli ist fuer die hiesigen Stechmuecken zwar zu weitmaschig, haelt aber immerhin den "Hofhund" und seine "Mitbewohner" fern.

09.01.08
Beim ersten Hahnenschrei ist es noch finstere Nacht, wir doesen bis um 07.00 weiter.
Luis hat Fruehstueck gemacht, Broetchen und frische Fruechte. Wir bauen unser Nachtlager ab, waehrend er den Tag organsisieren geht. Jede Familie des Dorfes besitzt ein weiteres Haus, eine Art Hof, im Urwald, wo sie waehrend einigen Tagen in der Woche Lebensmittel anbaut. Die Ernte wird mit dem Einbaum flussaufwaerts bis zum Dorf oder dem naechsten Platz an der Strasse transportiert, an welchem ein Pick-up verkehrt, welcher Ernte und Mensch weiter transportiert.
Die "Wirtschaft" beruht auf Tauschhandel und Selbstversorgung. Wir wollen uns per Pick-up, Einbaum und zu Fuss zu einem "Bauernhof" im Urwald begeben, um dort die zweite Nacht zu bleiben.
Tschukuri einer der Dorfbewohner wird uns als Fuehrer auf unserer Tour durch den Urwald begleiten. Bis zur Abfahrt des regelmaessig verkehrenden "Pickup-Buses" besuchen wir die ersten drei Klassen der Dorf-Schule.
Die Unterrichtssprache ist zu 80% Quetschua und zu 20% Spanisch (in den oberen Klassen 50%, 50%). Die Schueler schauen die Fremden aus grossen Augen an, und sind ziemlich scheu.
Wir machen wohl auch einen etwas seltsamen Eindruck und versuchen mit ein wenig Kaspern die Stimmung aufzulockern.
Zum Glueck hoert man von weitem den Pick-up kommen. Wir fahren stehend auf der Ladeflaeche bis zum Anlegeplatz der Einbaeume, Tschukuri und Luis auf dem Motorrad.
Unterwegs reicht uns eine Frau am Strassenrand Urwaldtrauben. Diese sehen aus wie unsere Trauben, sind allerdings c.a doppelt so gross und bestehen zur Hauptsache aus Kernen. Sie schmecken allerdings aeusserst "Schmackofatz".
Igendwo halten wir an. Waehrend Martin und ich von zwei Herren (die auf einmal aus dem Nichts erscheinen) im Einbaum den Fluss hinunter manoevriert werden gehen Luis und Tschukurri noch ein Stueck mit dem Motorrad (1 Sturz), dann zu Fuss weiter. Unterwegs dann die spezielle Freude: Wir legen an, um in einer am Wasser gelegenen Huette Chichamasse zu holen. Diese wird alsbald mit truebem Flusswasser angeknetet, und uns freudig zum Trunk angeboten. Beleidigung hin oder her, wir lehnen dankend ab, was uns spaeter zynische Sprueche von wegen "die Herren trinken nur Coca Cola" einbringen wird. Nach einem kurzen erfrischenden Bad im Fluss, steigen wir den Hang hinauf um in einer Huette Mittagsrast zu machen.
Fortsetzung folgt...
Die Frau der Huette freut sich ueber die Gaeste, und alle von Euch welche gut aufgepasst haben, wissen was jetzt kommt...Chicha!!!!
Durst und Appetit werden durch die Tatsache dass in der "Kueche" zwei voellig verkraetzte Junghunde rumtollen (der eine nur noch Haut und Knochen: Er hat eben Wuermer wie es heisst) nicht gerade gesteigert. Luis raunt uns zu, zumindest so zu tun, als wuerden wir an der Chicha nippen. Am Schluss werden bei mir dann doch einige Schlueckchen draus, denn vom nippen allein wird die Schale auch nicht leerer.
Fortsetzung folgt









Christoph unfd Martin on Tour
Wir freuen uns auf weitere Berichte